third life crisis

 

In letzter Zeit schwelge ich häufig in Erinnerungen. In alten Erinnerungen. In jungen Erinnerungen quasi. Also…ich denke wehmütig an Zeiten zurück, die schon lange vorbei sind. 10-15 Jahre etwa.

Zeiten, in denen alles einfach(er) war. Unbeschwert.

Ich höre Musik, die in der Zeit für mich prägend war. Blink182, Sublime, Green Day, The Police, Beatsteaks…

Aber warum ist das so?

Das hat alles damit angefangen, dass eine Freundin aus ihrer alten Wohnung ausgezogen ist und ich ihr dabei geholfen habe. Wir haben Kisten gepackt und geschleppt und Sekt getrunken. Also ich habe getrunken und sie hat mir dabei zugesehen. Denn sie ist schwanger.

Wir waren (sind) zwei völlig andere Menschen als damals, als sie in diese Wohnung eingezog. Die Wohnung, in der vorgeglüht und sich aufgehübscht wurde und von der aus wir immer losgezogen sind.

Und da kam plötzlich so ein Gefühl (und Tränen. Sekttränen nenn ich sie gerne. Denn Sekt macht mich weinerlich) in mir hoch, das ich kaum beschreiben kann. Eine Sehnsucht nach Freiheit ausgelöst durch Erinnerungen an Zeiten, in denen ich machen konnte, was ich wollte. In denen Geld keine große Rolle spielte. In denen ich täglich Party gemacht habe. In denen ich kreativ war und alle Energie in Kunst umgesetzt habe. In denen ich gefühlt immer leicht einen sitzen hatte. Und keine Termine. In denen ich nachts in die Spree sprang, einfach weil mir grad danach war. In denen Jobs nur dazu da waren, dass ich mir den ganzen Spaß leisten konnte. In denen ich nächtelang durchgeknutscht habe. In denen ich einfach losgefahren bin, ohne so richtig zu wissen wohin. Zeiten, in denen alles gut und unbeschwert war.

Diese absurde Sehnsucht nach Freiheit, Verrücktheit und Unbeschwertheit.

Diese Sehnsucht trage ich nun seit mittlerweile ein paar Wochen mit mir rum. Und nun stelle ich mich. Ich stelle mich der Frage: warum?

Eine Sehnsucht bedeutet ja, dass einem etwas fehlt. Sonst würde man sich ja nicht nach etwas sehnen. Also: was fehlt mir? Freiheit? Aber wie? Wovon will ich frei sein?

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich ändern könnte, damit diese Sehnsucht aufhört und ich sie ein Stück weit befriedigen kann.

Dazu habe ich mich mal richtig erinnert. Ich habe meine rosarote Brille abgenommen und genau hinerinnert.  Und ich musste feststellen, dass gar nicht alles supidupi frei und unbeschwert war.

Es war eher so, dass ich ständig Liebeskummer hatte, den ich dann immer durch Bier, Schnaps und Sekt betäuben wollte (ständig leicht einen sitzen). Bier, Schnaps und Sekt gibt es auf Parties und somit war ich ein paar Mal pro Woche mit Freunden feiern. Diese Parties und der Alkohol haben mich viel Geld gekostet. Also arbeitete ich viel in Bars. Oft mit einem schlimmen Kater.

Parties führten dazu, dass ich viel knutschte und random mit Typen schlief, um Nähe zu spüren. Naja und um Sex und Spaß zu haben. Der Morgen danach war aber meistens eher unangenehm und verbunden mit einem schlimmen Kater und dem berühmten walk of shame. Oder ich versuchte, durch vorgeschobene Termine meine Wohnung wieder für mich zu bekommen.

Alles in allem war das schon witzig, aber auch geprägt von Selbstzweifel, viel Arbeit, vielen Tränen, vielen Hangovertagen…

Meine Erkenntnis ist folgende:

Es war eine aufregende Zeit. Die ich auf keinen Fall missen möchte. Aber ich möchte sie auch nicht zurück. Das Gefühl, welches ich vermisse, ist ein Gefühl, das nichts mit Zeit zu tun hat. Es ist eine Einstellung. Ich brauche dafür keine Zeitmaschine, sondern ich kann hier und jetzt hier und da Dinge ändern und machen, die mir Freiheit und Unbeschwertheit bescheren.

Ich hatte etwas Sorge, dass dieses Leben, dieses Grundkonstrukt, welches ich führe, mich nicht glücklich macht. Aber das ist es nicht. Es sind die kleinen Dinge, die irgendwo verloren gegangen sind, die ich aber schnell wieder aufsammeln und aufleben lassen kann, wenn ich will. Häufiger im Park mit Freunden auf einer Decke sitzen. Häufiger mit der Kamera rausgehen und mich davon überraschen lassen, was der Tag so bringt und das zu genießen. Mir weniger Gedanken über Altersvorsorge, Kalorien und Krebs machen. Mich häufiger in den Zug setzen und meine Freundinnen in der Heimatstadt besuchen. Häufiger die Angst vor dem weißen Blatt Papier vertreiben. Und einfach mal machen!

Ich bin froh, dass ich mittlerweile nicht mehr so sprunghaft und aufbrausend bin und gleich mein ganzes Leben über den Haufen werfe, weil irgendwas nicht passt. Viel wichtiger ist es, das zu schätzen zu wissen, was man hat und an den Dingen zu feilen, die nicht ganz so geil sind. Denn viele Dinge sind es wert, sie zu halten und zu optimieren. Manche aber auch nicht.

Deshalb bin ich der Meinung, dass man erst genau in sich hineinhorchen sollte, was man wirklich will, bevor man überschnellte Entscheidungen trifft, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn man aber feststellt, dass man mit etwas unglücklich ist, sei es die Arbeit, die Beziehung, die Lebensweise oder sonstwas, dann muss das geändert werden. Denn das Leben ist kurz. Und dann scheiß auf gesellschaftliche Konventionen und die Meinung anderer. Scheiß auf viel Kohle und Kapitalismus. Solange man macht, was einen glücklich macht und sich mit Menschen umgibt, die einem gut tun, kann eigentlich nur alles gut werden.

In diesem Sinne: hab eine tolle und aufregende Zeit mit Menschen, die dir gut tun und Gutes wollen (und gönnen!)!

Du magst vielleicht auch

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar zu Gesche Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.