Tage, Nächte, Single und Corona

Heute ist wieder dieser Tag, an dem es 7 Uhr, aber auch gleichzeitig 8 Uhr ist. 

Es ist aber wohl auch der erste Tag mit Sommerzeit-Zeitumstellung, der vielen von uns sogar gelegen kommt. Eine Stunde weniger heute? Puh! Eine Stunde weniger, in der ich mir überlegen muss, was ich machen kann. Oder heute Abend dann: Oh! Schon so spät? Na dann kann ich ja schonmal ins Bett gehen. 

Normalerweise ist Schlaf mein Freund. Aber im Moment wache ich ein paar Mal pro Nacht auf. Verspannt, Kopfschmerzen, Kiefer fest zusammengepresst. Morgens ähnliche Situation. Meine Stirn ist runzlig und ich muss die ersten Minuten des Tages erstmal dafür nutzen, meinen Körper aktiv zu entspannen. Meine Kiefer- und Nackenmuskulatur ist hart und schmerzt.

Was ich tagsüber versuche zu verdrängen, holt mich nachts ein. 

Ich lenke mich am Tag ab, bewege mich viel, gucke mir Filme und Serien an, bringe nach und nach die Wohnung auf Vordermann. 

Aber natürlich macht die Situation, in der wir alle stecken, etwas mit mir. Wie sollte es auch anders sein!? Und nachts habe ich meinen Körper und meine Gedanken nicht unter Kontrolle. Mein Unterbewusstsein kickt rein und versucht alles zu verarbeiten.

Ich würde nicht sagen, dass ich Angst habe. Aber es ist ein unglaublich beschissenes Gefühl. 

Ich vermisse meine Freunde. Gerade jetzt, wo der Frühling in den Startlöchern steht, ist die Zeit, in der wir uns noch häufiger treffen würden. Wir würden grillen, zusammen sitzen, Bier trinken und viel lachen. Wir würden die Babies schunkeln und die Kinder kitzeln. 

Und ich vermisse menschliche Nähe. Auch körperlich. Als Single bekommt man davon gerade nicht viel. Ne warte: gar nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Menschen angefasst habe. Hätte ich mal machen sollen, als es noch ging. Wahrscheinlich ist es erst 2 Wochen her, aber es fühlt sich an wie Monate.  Der körperliche Kontakt hat mir auch schon vor der Krise gefehlt. Da gabs aber noch die täglichen Umarmungen, von denen ich nicht wusste, dass sie so wichtig sind und gut tun. 

Ich bin einmal mehr froh und glücklich, dass ich den Hund habe, der zum Glück ebenso kuschelbedüftig ist und in dieser Zeit noch mehr Nähe und Zuneigung bekommt als sonst sowieso schon. Ein warmer, schnarchender Körper, der neben mir liegt und mir Geborgenheit gibt, wo eigentlich gerade keine ist. 

In Momenten der Einsamkeit und des Weltschmerzes versuche ich mir immer zu sagen, dass es mir eigentlich gut geht. Ich habe eine schöne Wohnung, ich kann täglich lange in der Sonne spazieren gehen und habe meine nicht mehr, aber fast noch Mitbewohnerin, die ich täglich sehe. Ich treffe ein paar Freundinnen zu Spaziergängen und treffe eine Freundin und ihren Freund regelmäßig (ja mit Abstand!).  Ich bin nicht komplett isoliert, habe Internet, viele Bücher, Stift und Papier, kann mir viel Schokolade und Pizza kaufen und in vielen Momenten des Tages bin ich fröhlich. 

Ja  ich bin dankbar. Und privilegiert. Und doch ist es eine harte Situation, in der es manchmal nicht reicht sich zu sagen, was man alles hat und wie glücklich man sich eigentlich schätzen kann. 

Es sind verrückte Zeiten, die wahrscheinlich in nächster Zeit noch verrückter und schlimmer werden. 

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.