Leidenschaft und Herzensprojekte

Duschzeit ist bei mir Nachdenkzeit. Was soll man da auch anderes machen!? Ich denke darüber nach, was grad bei mir so los ist, was ich zu erledigen habe oder wie ich das eine oder andere angehen oder lösen kann, was gerade ansteht. Manchmal, wenn mich etwas wirklich sehr beschäftig, wird dadurch meine Dusch-Routine gestört. Dann rasiere ich nur ein Bein oder vergesse, die Haarkur auszuspülen und habe die ganze Grütze später im Handtuch. Solche Momente zeigen mir sehr anschaulich, dass ich mehr Zeit oder Gedanken in ein Thema investieren muss.

Als ich also vorhin unter der Dusche stand, habe ich festgestellt, dass ich zur Zeit sehr leidenschaftslos bin. Ich erledige meine Arbeit, verbringe meine Zeit irgendwie, schaue Netflix, treffe Freunde, scrolle durch Instagram…lebe einfach so vor mich hin und bin eigentlich ganz zufrieden. 

Vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich mir genau das gewünscht. Zufriedenheit, Unaufgeregtheit, gerne zwischendurch mal Langeweile…ein Leben ohne Drama. Klar gibts hier und da das eine oder andere „Drama“. Ich bin umgezogen und zahle noch doppelte Miete, weil noch kein Nachmieter für die alte Wohnung gefunden ist. Mein altes Leben in Berlin, bzw die Bar, die ich dort hatte, klopft ab und an nochmal an und will was. Achso und dann steht ja auch noch die Scheidung an. Aber im Großen und Ganzen ist alles ganz fein und ich fühle mich wohl. 

Und wie gesagt: Noch vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir diesen Zustand herbeigesehnt. Das war aber zu einer Zeit, als mein Leben ausschließlich daraus bestand Pizza zu essen und Netflix durchzugucken. Aufstehen war anstrengend, rausgehen und Menschen treffen kostete mich große Überwindung.

Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem alles wieder „normal“ funktioniert. Und das ist toll! Ich freue mich jeden Tag darüber! Das hat aber auch echt lange gedauert. Und an manchen Tagen merke ich, wie mir der Alltag zu viel wird und höre auf mich, meinen Körper und meine Gefühle. Dann werden ein oder zwei Tage ohne Termine auf der Couch eingeschoben und schon läuft die Schose wieder. Aber auch das ist normal und jeder kennt das.

Zurück zur Dusche. Wie ich da also stand, mich einschäumte und nachdachte, fiel mir auf, dass ich zwar gerade solide lebe, aber nichts mache, für das ich eine Leidenschaft empfinde. Ein Herzensprojekt oder zumindest ein Hobby, das mir ein gutes Gefühl gibt. Ich habe mich gefragt, wofür ich denn brenne. Was bewegt mich? Was macht mir Freude? Was regt mich vielleicht auf? Was löst direkt eine Reaktion in mir aus, wenn ich damit konfrontiert werde? 

Ich habe an die letzten Tage und Wochen gedacht und welche Situationen vielleicht besondere Emotionen in mir ausgelöst haben. Und da waren sie plötzlich. Die drei Themen, die mein Herz schneller schlagen lassen.  Feminismus, Mental Health und Gastronomie. Die ersten zwei passen vielleicht noch zusammen, Gastro fällt da auf den ersten Blick raus. Tatsächlich spielen alle drei Themen in meinem Leben eine große Rolle und überschneiden sich extrem. 

Ein viertes Thema, nämlich die Kunst, kam mir auch in den Sinn. Die muss auch noch mit rein. Aber da komm ich noch drauf. (Falls ich es am Ende des Textes nicht vergesse 😀 )

Warum also diese Themen und was mache ich mit dieser Erkenntnis? 

Dass mir Feminismus und Gleichberechtigung am Herzen liegen, merke ich jeden Tag im Büro. Ich rege mich darüber auf, dass die Frauen mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind, sich aber aus Angst vor einer Kündigung oder schlechter Stimmung nicht trauen das zu kommunizieren. Und ich rege mich über Machtspielchen der (männlichen) Chefs gegenüber der (weiblichen) Angestellten auf. Natürlich! Wie sollte man auch nicht!? Und schau: allein bei dem Gedanken pumpt das Herzchen.

Mental Health und Depressionen sind seit Jahren ein Thema in meinem Leben. So viele Menschen in meinem Umfeld sind davon betroffen. Und ich natürlich auch. 

Diese beiden Themen hatte ich ja schonmal zusammengefasst und einen Podcast gestartet, welcher aber nun fast 1,5 Jahre pausiert hat, weil ich eben mein Leben gelebt habe. Deshalb wird es höchste Zeit, dieses Projekt weiterzuführen. Mein persönliches Herzensprojekt. Ich freu mich schon, wieder mit tollen Frauen ins Gespräch zu kommen! 

Und Gastro? Ja die Gastro war immer meine große Liebe. Bis sie fast mein Leben zerstörte. Ich merke diese Liebe (Leidenschaft!), wenn ich in Cafés oder Bars sitze. Ein kleiner Teil in mir sehnt sich danach, hinter der Bar zu stehen, Drinks zu mixen oder Heißgetränke zu kreieren. Ein anderer Teil aber sieht die Gäste. Schwierige, dumme Fragen stellende Gäste (nicht alle natürlich! Aber schon viele 😀 ). Deshalb ist es keine Option, wieder zurück in die Gastro zu gehen. Aber ich könnte aus meiner Erfahrung etwas machen. In Buchform. Auch das war letztes Jahr schonmal Thema. Auch da werde ich mal weiter dran schrauben und gucken, was passiert. 

Alles ohne Stress, aber mit viel Leidenschaft. Das ist mein Plan für die kommenden Monate. Klingt für mich erstmal ganz gut und lässt mein Herz höher schlagen. Und darum geht es ja. 

Ha! Und beim Durchgehen des Textes fiel mir auf, dass ich mich doch ganz gut kenne. Ich vergaß die Kunst. Die Kunst des Vergessens quasi. 

Wie kriege ich die Kunst da also mit rein? Ganz einfach: ich muss wieder mehr zeichnen. Außerdem besteht das Cover der einzelnen Podcastfolgen immer aus einer Collage von mir und meiner Gesprächspartnerin. Tadaa: Kunst! 😀

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