Unknown Artist Foto via Streetart retards
Unknown Artist
Foto via Streetart retards

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Warum mache ich das hier?

 

Schon im Studium habe ich gern Texte verfasst. Schon in der Schule habe ich gern Aufsätze geschrieben. Und schon als Kind habe ich mir gern Geschichten ausgedacht.

In den letzten Monaten habe ich immer mal wieder Texte runtergeschrieben so wie sie aus meinem Kopf aufs Papier gefallen sind. Na gut…in den Laptop rein. Aber Papier klingt romantischer. Handwerklicher. Kreativer. Denn das ist es, wie ich mich schon immer sehe. Ein kreativer Kopf. Eine Künstlerin.

Nur dass ich mehr über Kunst nachdenke, als dass ich sie zu Papier bringe.

Deshalb fange ich hier einfach mal an. Ich werde meine Gedanken, Kunst, Erlebnisse und alles, was mir sonst noch so einfällt, hier veröffentlichen. Der Grund ist, dass mich das freier macht. In meinem Kopf. Wenn ich Gedanken und Erlebnisse aufschreibe oder meine Kunst teile, dann fühlt sich das gut an. Als hätte ich etwas geschafft. Und der Kopf ist wieder frei für Neues. Denn das, was ich niedergeschrieben, gemalt oder gezeichnet habe, ist ja nun abgehakt.

Außerdem habe ich oft das Gefühl, dass ich etwas zu sagen habe, das andere vielleicht auch interessiert. Ich möchte meine Erlebnisse und Gedanken teilen, um andere zum Denken anzuregen und ihnen damit vielleicht sogar zu helfen. Denn mir hilft es oft sehr, wenn ich lese, dass es anderen auch so geht und ich mit meinen Sorgen, Gedanken und Erlebnissen nicht allein bin.

 

Ich hoffe, mein Plan geht auf.

 

 

Burnout

 

 

Burnout. Ich hasse dieses Wort!

Wenn man es allerdings einmal darauf herunterbricht, was es bedeutet, klingt es doch wieder ganz passend. Ausgebrannt.

Ich habe immer die Augen gerollt über Leute, die meinten, sie hätten ein(en?) Burnout. Ja…du bist ein bisschen überarbeitet. Mach mal Urlaub und dann gehts schon wieder.

Mein „Urlaub“ dauert jetzt schon 7 Monate und langsam fühle ich, wie die Energie zurückkehrt. Wie ich mir langsam wieder vorstellen kann, arbeiten zu gehen.

Was ich in den letzten 7 Monaten gemacht habe? Viel auf der Couch gelegen, Netflix geguckt, Pizza, Nudeln und Schokolade gefuttert und mich um den Hund gekümmert. Der Hund hat mir sehr geholfen in der Zeit! Er hat mich täglich zum Lachen gebracht und mich natürlich dazu bewegt, mich zu bewegen. Denn so ein Hund muss ja auch das ein oder andere Mal am Tag wichtige Geschäfte erledigen gehen.

Außerdem habe ich jeden Tag gedacht, dass das ja nicht alles sein kann, was ich so den Tag über schaffe. Aufstehen, Kaffee trinken, Gassi gehen, essen, fernsehen und wieder schlafen gehen. An 90% der Tage war das aber alles, was ich geschafft habe. Und war auch noch richtig stolz darauf! Hey! Ich bin aufgestanden! Und rausgegangen! Und ich habe Wäsche gewaschen UND sie aufgehängt! Das waren so meine Highlights. Ganz manchmal habe ich mich „draussen“ mit Menschen getroffen. Mal ein Kaffee, mal zu nem Markt, mal ein Spieleabend. Und ich liebte das! Draußen sein, mit Menschen reden! Sowas mach ich morgen nochmal! Das hat so viel Spaß gemacht! Das mach ich jetzt häufiger. Aber das Aufraffen ist das Schlimmste. Wenn ich erstmal draußen war, lief es super! Wenn ich aber zu Hause war und die Möglichkeit hatte, zu Hause zu bleiben, blieb ich zu Hause.

Ich versuchte sogar, mich selbst zu überlisten. Ich schrieb mir feste Aufgaben und Termine für eine Woche auf. Aber wen kümmert es schon, wenn ich das alles nicht mache und einhalte? Niemanden. Also blieb ich wieder zu Hause.

Ich habe mich also 7 Monate mit schlechtem Gewissen ausgeruht. Ich hatte ein schlechtes Gewissen vor mir selbst, vor meinem Mann, der täglich zur Arbeit ging und fragte, was ich so den Tag über getrieben habe und ein schlechtes Gewissen vor der Gesellschaft, die ja auch täglich arbeiten ging. Und das ist das Problem. Diese Gesellschaft, zu der ich mich ja davor auch zählte,  erwartet, dass man fit ist. Dass man arbeiten geht. Und wenn man äußerlich nicht sieht, dass jemand krank ist, dann ist er auch nicht krank. Also war ich nicht krank.

Tatsächlich möchte ich auch gar nicht sagen, dass ich krank war. Oder noch bin. Aber so ist es wohl.

Wenn der Job deine schlechtesten Seiten in dir zum Vorschein bringt und dich von Grund auf in deiner Persönlichkeit verändert, dann hast du einen Burnout.

Mich hat alles und jeder aggressiv gemacht. Ich war pessimistisch und ständig grundlos traurig. Und müde. So müde. Außerdem unmotiviert, antriebslos und lustlos.

Ich merke gerade, wie ich in der Vergangenheitsform schreibe. Vieles trifft immer noch zu. Aber ich habe jetzt die Kraft und Lust, darüber nachzudenken. Und ich weiß, dass es besser wird. Denn es ist schon besser. Ich will wieder rausgehen! Ich will wieder kreativ sein! Nur am Antrieb scheiterts oft noch. Wenn ich verabredet bin gehts. Wenn ich mir selbst etwas vornehme, wird’s schon schwieriger. Aber ich weiß, dass ich das auch schaffen werde! Jeden Tag ein Schritt weiter.

Jemand, der das noch nicht erlebt hat, weiß wahrscheinlich nicht, wie das ist. Und kann sich nur schwer vorstellen, wie man sich in so einer Situation fühlt.

Wenn Menschen mich fragen, wie es mir geht, sage ich „gut“. Denn es stimmt ja auch. Beziehungsweise wäre die richtige Antwort wohl „besser“. Aber diese Antwort würde diverse Fragen nach sich ziehen und darauf habe ich keine Lust.

Ich sage, dass es mir gut geht. Wenn ich erzähle, was ich so den ganzen Tag mache, beneiden mich die Leute. „Whoa! So ein Leben hätte ich auch gern! Mal ein paar Monate nichts tun! Voll entspannt!“ Jaaaaa…..nein. Entspannt ist es eben nicht. Es ist eher zermürbend, dass man nichts schafft, nichts erschafft.

Und es wird auch nicht besser, dass man (also ich) so viel futtert ohne sich zu  bewegen. Denn das führt dazu, dass man (also ich) zunimmt. Viel zunimmt. Das wiederum führt dazu, dass man sich selbst hässlich findet und dadurch noch viel weniger rausgehen will. Und für ein besseres Gefühl im Kopf holt man (also ich) sich noch mehr Pizza und Schokolade, Denn das gibt für einen kurzen Moment ein Glücksgefühl. Aber eben nur solange, wie es dauert. Danach ist man satt und fühlt sich noch weniger gut…um es vorsichtig auszurücken.

Ich fasse also zusammen:

Man ist völlig fertig mit der Welt und braucht eine Auszeit. Man nimmt sich die Auszeit, hat aber das Gefühl, man müsste etwas tun, arbeiten gehen oder sonstwas schaffen. Man hat also ein schlechtes Gewissen, welches einen noch weiter runterzieht. Pizza ist dein Freund. Pizza versteht dich! Schokolade ist deine Freundin. Schokolade versteht dich!

Jedem, der in so einer Situation ist: ES WIRD BESSER! Entweder hilft dir die Zeit, dein Partner, deine Familie, deine Freunde oder auch ein Mensch, der professionell Ahnung hat (Arzt, Psychologe). Gut ist, wenn man sich mit Menschen unterhält, die so etwas schon mal durchgemacht haben! Denn die verstehen dich wirklich!

Und jeder Tag, an dem du vor die Tür gehst, an dem du dich mit Leuten triffst, ist ein Erfolg! Und wenn du es mal nicht schaffst, dann ist das auch ok! Du brauchst diese Pause! Dein Körper und dein Geist haben viel geleistet und sind erschöpft. Du hast dir selbst zu viel zugemutet (oder dir wurde zu viel aufgebürdet). Das bedeutet aber nicht, dass du gescheitert bist! Es war in dem Moment einfach zu viel. Vielleicht auch, weil die äußeren Umstände nicht stimmten. Vielleicht lief alles schief. Vielleicht ist jemand gestorben und das konntest du nicht verarbeiten. Vielleicht hast du ein Kind bekommen und alles zusammen hat dich übermannt. Egal warum du ausgebrannt bist: Es ist ok. Nimm dir die Zeit, die du brauchst! Und rede mit Menschen, die dir helfen können und wollen! Lass dich nicht hetzen! Weder von deinem Chef, von deinem Partner, von der Gesellschaft oder sonstwem! Und wenn du denkst, dass es wieder besser wird, fang nicht gleich was neues an, was dich stresst.

Ich zum Beispiel nehme den Hund einer Freundin mit auf unsere Gassirunden. Dafür bekomme ich etwas Geld. Ich wollte dieses Geld anfangs nicht, weil ich mich schlecht fühlte, dafür etwas zu nehmen. Aber jetzt ist es mein kleines Mini-Einkommen. Davon kann ich mir mal einen extra Kaffe in einem Café leisten.

Ich bin zum Glück in der Situation, dass mein Mann Vollzeit arbeitet und die Fixkosten zahlen kann. Es gibt viele Menschen, die allein für sich verantwortlich sind. Lass dich krankschreiben! Wenn du kein Geld verdienst, dann lass dich auch krankschreiben! Das Jobcenter kann nichts machen, wenn du krank bist. Deine Gesundheit geht vor! Werde gesund und lerne wieder, das Leben zu lieben und genießen!

Es hilft viel, wenn man sich ein Hobby sucht oder schon hat. Zeichnen, schreiben, lesen, Sport machen, fotografieren, basteln, eine Collage erstellen…Kreativität hilft sehr! Kunst kann deine Gefühle ausdrücken, die du sonst vielleicht nicht rauslassen willst oder kannst.

Schreiben, auch wenn es nur für dich ist, hilft auch sehr! Deshalb mache ich das hier überhaupt! Ich habe so viel Zeug im Kopf, das raus will. Ich habe so viel zu sagen…und dabei ist es mir auch egal, ob es jemanden interessiert. Es ist wichtig, seine Gefühle irgendwohin rauszulassen. Wenn man schon so viel Energie hat, ist boxen bestimmt eine gute Idee. Denn oft ist Wut ein Teil des Weges.

Ich werde jetzt meinen Tag starten. Erstmal duschen, dann einkaufen, danach eine große Gassirunde drehen und dann mal sehen. Vielleicht schaffe ich heute ja etwas Kreatives. Und wenn nicht, dann ist das auch nicht so schlimm.

Diesen Text habe ich vor 3 Monaten geschrieben. Also ist er nicht mehr ganz aktuell. Aber wahr ist er trotzdem.

 

 

 

FETT

(dieser Text entstand vor ca 4 Monaten. Macht ihn nicht weniger aktuell)

 

 

Ich bin nicht fett. Aber ich habe in den letzten 4 Jahren 20kg zugenommen. Zwanzig Kilogramm! Das klingt echt viel. Dabei war es ganz leicht.

Früher habe ich mich immer gefragt, wie Leute es schaffen, so viel zuzunehmen. Irgendwann merkt man doch, dass man zugelegt hat und stoppt das. Wenn man nur will, schafft man es auch wieder abzunehmen. So einfach ist das.

Tja. So einfach ist es eben doch nicht.

Wie habe ich es geschafft, so viel zuzunehmen? Die ersten Kilos habe ich kaum bemerkt. Plötzlich hatte ich Fett am Rücken. So Röllchen. Das hab ich mal auf einem Foto gesehen. Ich in einem rückenfreien Top. Mit Speckrollen am Rücken. Aber ich hatte solche Röllchen mal auf einem Foto von Nicki Minage gesehen und fand das eigentlich ganz süß. Bei ihr zumindest. Bei mir fand ichs trotzdem scheiße.

Da ich mich zu der Zeit in einer sehr stressigen Phase befand, hatte ich weder die Lust, noch die Kraft oder die Zeit (jaja…Zeit hat man immer. Ein paar Minuten pro Tag und tadaa! Traumfigur!), etwas dagegen zu tun. Aus Stress wurde Burnout und bumm: die nächsten 10kg drauf. Irgendwann stieg ich auf die Waage und die sagte, ich wöge 87kg. Krass! Wie konnte das nur passieren? Ganz einfach: weite Kleidung, weil man sich ja eh nicht mehr in seinem Körper wohlfühlte, und nur im Badezimmer in den Spiegel gucken, um das Gesicht zu checken. In die großen Spiegel hab ich immer nur gesehen, wenn ich schon angezogen war. Beim Shoppen hab ich mich in so eine Pose gedreht, dass ich mich ganz ok fand. Und immer schön den Bauch einziehen.

Jetzt hab ich den Salat (davon hätte ich mal mehr essen sollen…).

Mittlerweile geht es mir seelisch wieder besser. Ich habe mein Leben soweit angepasst, dass ich wieder atmen kann. Nur fällt mir genau dieses Atmen leider immer schwerer. Weil ich immer schwerer wurde. Verteufelter Kreis! Und dann ist man deprimiert, weil man so fett geworden ist und futtert auf der Couch ne Pizza, einen Becher Eiscreme (ich verteufle dich Ben & Jerry´s für die neuen veganen Sorten! Und Lidl für die verdammte billige TK Pizza!) und ne Tafel Schokolade. Dazu nen Liter Cola. Aber light. Also zählt die nicht. Genau. Haha.

Gestern sollte also der erste Tag zurück zum gesunden Lebensstil sein. Ich habe mich in einem Fitness Studio angemeldet. Leider hasse ich Sport. Das war schon immer so. Schon in der Schule hatte ich immer einen Attest und saß auf dem Mattenwagen. Meistens war ich gar nicht so krank, dass ich nicht mitmachen konnte. Manchmal hatte ich aber auch ne Knie-OP, weil man mich gezwungen hatte, Ski zu fahren. Ich hasse Sport. Und Sport hasst mich auch.

Vor 5 Jahren ging ich regelmäßig ins Studio und war ultra fit. Man muss nur wieder da hinkommen. Dass man schon so viel Sport gemacht hat, dass man die Resultate nicht kaputt machen will.

Gestern war also der Tag der Tage. Ich meldete mich an und ging wieder heim. Auf die Couch. Heute geh ich auch nicht hin. Morgen vielleicht. Aber ich habe es mir festfest vorgenommen.

Es ist nicht nur, dass ich mich nicht mehr in meinem Körper wohl fühle. Ich merke auch wirklich, wie unfit ich bin. Leider und zum Glück zugleich wohne ich im vierten Stock. Ohne Fahrstuhl. Da muss ich ein paar Mal am Tag hoch und runter. Immerhin. Aber ich bin völlig fertig, wenn ich in der Wohnung ankomme.

Außerdem mag ich auch keine kurze Kleidung mehr tragen. Nicht (nur) weil ich das nicht schön finde, sondern auch, weil meine Schenkel so sehr aneinanderreiben, dass es nach kurzer Zeit weh tut. Letzten Sommer musste ich mir da sone Salbe zwischenschmieren, damit ich ein Kleid ohne Leggings/ Strumpfhose tragen konnte. Ich weiß, dass es auch solche Dinger gibt, die man anziehen kann, damit die Schenkel nicht mehr aneinanderreiben. Die sehen aus wie breite Strumpfbänder. Aber das ist schon etwas nervig alles.

Und ich schwitze viel mehr. Wahrscheinlich weil alles viel anstrengender ist, weil ich ja mehr Gewicht mit mir rumschleppen muss.

Oft frage ich mich, warum ich mich so unwohl fühle. Also äußerlich. Die Gesundheit mal außer Acht gelassen. Denn wenn ich mir Fotos von anderen Frauen angucke, die auch „ein bisschen mehr auf den Hüften“ haben, finde ich die wahnsinnig attraktiv! So weiblich! Und weich! Und schön! Nur bei mir selbst mag ich das nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob das einen gesellschaftlichen Aspekt hat und ich mich davon beeinflussen lasse oder ob ich mich einfach so nicht leiden mag.

Diese ganze Fatshaming-Sache und „wie eine Frau aussehen muss“, die ganzen Modemagazine, GNTM und all die Werbung und überhaupt der ganze Dünnwahn der Medien…ich hatte nie das Gefühl, dass mich das beeinflusst. Also schon. Ich habe mich aufgeregt. Aufgeregt über Menschen, die andere über ihr Aussehen definieren, sie hänseln, sie beurteilen… Ich habe mich aufgeregt über Frauen, die versucht haben, irgendwem oder irgendwas gerecht zu werden, anstatt einfach zu machen, was sie wollen. Und sich so zu geben, zu kleiden und zu sein wie sie es wollen.

Aber wurde ich wirklich nicht beeinflusst? Fühle ich mich unwohl mit meinen ganzen Extrakilos, weil es sein könnte, dass andere mich hässlich finden könnten?

Ich glaube, diese Frage kann ich mir nicht zu hundert Prozent beantworten. Es ist wohl ein Mix aus verschiedenen Gründen.

Auf jeden Fall versuche ich jeden Tag in den Spiegel zu sehen und mir zu sagen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wie ich aussehe. Ob nun dünn oder dick, mit oder ohne Pickel. Denn an anderen Menschen find ich das ja auch gut. Also warum nicht auch bei mir!?

Es ist wichtig, dass man sich in seinem Körper wohlfühlt! Sich aktzeptiert, wie man ist und die schönen und guten Seiten erkennt, liebt (lieben lernt) und hervorhebt!

Edit 4 Monate nach Schreiben dieses Textes:

Mittlerweile kann ich das ganz gut. Es ist Sommer und ich trage gerne meine neue Latzhose. Sie hat eine Konfektionsgröße, von der ich niemals dachte, dass ich sie brauchen könnte. Aber was sind schon Konfektionsgrößen? Nummern, die sich irgendwelche Leute ausgedacht haben. Sie sollen eigentlich dazu dienen, dass man sich daran orientieren kann. Aber das kann man nicht. Jeder Hersteller interpretiert die Größen irgendwie anders. Selbst innerhalb einer Marke variiert meine Konfektionsnummer zwischen 3(!) Größen! Es ist absurd. und viele lassen sich davon herunterziehen. Gefühlt ist die Kleidung in den letzten Jahren auch „kleiner“ geworden. Aber mal ehrlich: Was hat das für einen Sinn? Sollte es nicht eher andersrum sein? So fühlt sich doch jede zweite Frau (und Mann wahrscheinlich auch) schlechter als besser. Sollen Frauen dazu animiert werden, dünner zu werden, damit die Konfektionsgröße die gleiche bleibt?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass man sich nicht über seine Konfektionsgröße definieren sollte. Man sollte anziehen, was man schön findet und worin man sich wohl fühlt! Scheiß egal, was andere denken könnten! SO!

 

 

 

 

third life crisis

 

 

 

In letzter Zeit schwelge ich häufig in Erinnerungen. In alten Erinnerungen. In jungen Erinnerungen quasi. Also…ich denke wehmütig an Zeiten zurück, die schon lange vorbei sind. 10-15 Jahre etwa.

Zeiten, in denen alles einfach(er) war. Unbeschwert.

Ich höre Musik, die in der Zeit für mich prägend war. Blink182, Sublime, Green Day, The Police, Beatsteaks…

Aber warum ist das so?

Das hat alles damit angefangen, dass eine Freundin aus ihrer alten Wohnung ausgezogen ist und ich ihr dabei geholfen habe. Wir haben Kisten gepackt und geschleppt und Sekt getrunken. Also ich habe getrunken und sie hat mir dabei zugesehen. Denn sie ist schwanger.

Wir waren (sind) zwei völlig andere Menschen als damals, als sie in diese Wohnung eingezog. Die Wohnung, in der vorgeglüht und sich aufgehübscht wurde und von der aus wir immer losgezogen sind.

Und da kam plötzlich so ein Gefühl (und Tränen. Sekttränen nenn ich sie gerne. Denn Sekt macht mich weinerlich) in mir hoch, das ich kaum beschreiben kann. Eine Sehnsucht nach Freiheit ausgelöst durch Erinnerungen an Zeiten, in denen ich machen konnte, was ich wollte. In denen Geld keine große Rolle spielte. In denen ich täglich Party gemacht habe. In denen ich kreativ war und alle Energie in Kunst umgesetzt habe. In denen ich gefühlt immer leicht einen sitzen hatte. Und keine Termine. In denen ich nachts in die Spree sprang, einfach weil mir grad danach war. In denen Jobs nur dazu da waren, dass ich mir den ganzen Spaß leisten konnte. In denen ich nächtelang durchgeknutscht habe. In denen ich einfach losgefahren bin, ohne so richtig zu wissen wohin. Zeiten, in denen alles gut und unbeschwert war.

Diese absurde Sehnsucht nach Freiheit, Verrücktheit und Unbeschwertheit.

Diese Sehnsucht trage ich nun seit mittlerweile ein paar Wochen mit mir rum. Und nun stelle ich mich. Ich stelle mich der Frage: warum?

Eine Sehnsucht bedeutet ja, dass einem etwas fehlt. Sonst würde man sich ja nicht nach etwas sehnen. Also: was fehlt mir? Freiheit? Aber wie? Wovon will ich frei sein?

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich ändern könnte, damit diese Sehnsucht aufhört und ich sie ein Stück weit befriedigen kann.

Dazu habe ich mich mal richtig erinnert. Ich habe meine rosarote Brille abgenommen und genau hinerinnert.  Und ich musste feststellen, dass gar nicht alles supidupi frei und unbeschwert war.

Es war eher so, dass ich ständig Liebeskummer hatte, den ich dann immer durch Bier, Schnaps und Sekt betäuben wollte (ständig leicht einen sitzen). Bier, Schnaps und Sekt gibt es auf Parties und somit war ich ein paar Mal pro Woche mit Freunden feiern. Diese Parties und der Alkohol haben mich viel Geld gekostet. Also arbeitete ich viel in Bars. Oft mit einem schlimmen Kater.

Parties führten dazu, dass ich viel knutschte und random mit Typen schlief, um Nähe zu spüren. Naja und um Sex und Spaß zu haben. Der Morgen danach war aber meistens eher unangenehm und verbunden mit einem schlimmen Kater und dem berühmten walk of shame. Oder ich versuchte, durch vorgeschobene Termine meine Wohnung wieder für mich zu bekommen.

Alles in allem war das schon witzig, aber auch geprägt von Selbstzweifel, viel Arbeit, vielen Tränen, vielen Hangovertagen…

Meine Erkenntnis ist folgende:

Es war eine aufregende Zeit. Die ich auf keinen Fall missen möchte. Aber ich möchte sie auch nicht zurück. Das Gefühl, welches ich vermisse, ist ein Gefühl, das nichts mit Zeit zu tun hat. Es ist eine Einstellung. Ich brauche dafür keine Zeitmaschine, sondern ich kann hier und jetzt hier und da Dinge ändern und machen, die mir Freiheit und Unbeschwertheit bescheren.

Ich hatte etwas Sorge, dass dieses Leben, dieses Grundkonstrukt, welches ich führe, mich nicht glücklich macht. Aber das ist es nicht. Es sind die kleinen Dinge, die irgendwo verloren gegangen sind, die ich aber schnell wieder aufsammeln und aufleben lassen kann, wenn ich will. Häufiger im Park mit Freunden auf einer Decke sitzen. Häufiger mit der Kamera rausgehen und mich davon überraschen lassen, was der Tag so bringt und das zu genießen. Mir weniger Gedanken über Altersvorsorge, Kalorien und Krebs machen. Mich häufiger in den Zug setzen und meine Freundinnen in der Heimatstadt besuchen. Häufiger die Angst vor dem weißen Blatt Papier vertreiben. Und einfach mal machen!

Ich bin froh, dass ich mittlerweile nicht mehr so sprunghaft und aufbrausend bin und gleich mein ganzes Leben über den Haufen werfe, weil irgendwas nicht passt. Viel wichtiger ist es, das zu schätzen zu wissen, was man hat und an den Dingen zu feilen, die nicht ganz so geil sind. Denn viele Dinge sind es wert, sie zu halten und zu optimieren. Manche aber auch nicht.

Deshalb bin ich der Meinung, dass man erst genau in sich hineinhorchen sollte, was man wirklich will, bevor man überschnellte Entscheidungen trifft, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn man aber feststellt, dass man mit etwas unglücklich ist, sei es die Arbeit, die Beziehung, die Lebensweise oder sonstwas, dann muss das geändert werden. Denn das Leben ist kurz. Und dann scheiß auf gesellschaftliche Konventionen und die Meinung anderer. Scheiß auf viel Kohle und Kapitalismus. Solange man macht, was einen glücklich macht und sich mit Menschen umgibt, die einem gut tun, kann eigentlich nur alles gut werden.

In diesem Sinne: hab eine tolle und aufregende Zeit mit Menschen, die dir gut tun und Gutes wollen (und gönnen!)!

 

 

Weltschmerz

 

 

Ich hasse Menschen.

Das denke ich jeden Tag aus unterschiedlichen Gründen.

Gestern weil ein Typ seinen Hund angeschrien und dann betrunken über ihn gestolpert ist, sodass das Hundi laut aufgeschrien hat.

Letztens weil in den Nachrichten darüber berichtet wurde, dass eine Religionsgruppe X eine Religionsgruppe Y während einer Trauerfeier überrascht und angegriffen hat. Soundsoviele Tote. Herzlichen Glückwunsch.

Letzte Woche weil mir jemand erzählt hat, dass ersiees es nicht ok findet, dass ein Flüchtling einen so toll bezahlten Job bekommen hat, den seinerihrer Meinung nach jemand mit besseren Deutschkenntnissen verdient hätte.

Letztes Jahr weil mir jemand auf der Straße sagte, dass ich meinen schönen Körper mit den Tattoos verschandele. Er spuckte mir vor die Füße.

Vor ein paar Tagen weil eine Frau zu ihrem Hund, der zog wie ein Verrückter, sagte:“Oh! Es tut mir ja auch leid, dass ich dich jetzt so würgen muss!“. Ja ne is klar. Ein Geschirr ist wohl keine Option?

Gestern weil wir uns darüber unterhalten haben, dass Homosexuelle kein Blut spenden dürfen. Weil heterosexuelle Menschen keine Krankheiten haben können?

Immer weil Menschen der Meinung sind, dass ein Tierleben weniger wert ist. Nicht wenig. Sondern weniger.

Immer weil es Menschen gibt, die dazu in der Lage sind, einem anderen Lebewesen das Leben zu nehmen. Aus Habgier, aus Spaß, aus Dummheit, aus Machtbeweis, aus Wasauchimmer.

Immer weil Geld immer dahin geht, wo schon Geld ist.

Immer weil mächtige Menschen ihre Macht nicht nutzen, um Gutes zu tun.

Immer weil sie Religion dafür nutzen, Kriege zu rechtfertigen. Und zu beginnen.

Immer weil sie nicht einfach jeden das machen lassen können, was ersiees will.

Warum sind Menschen so? Warum kann nicht jeder Mensch machen und sein, was oder wer er möchte? Warum kümmert es Menschen, welche Religion, Hautfarbe, Sexualität, wieviele Tattoos oder Sexpartner jemand hat? Kann es einem nicht total egal sein?

Mein Problem ist, dass ich einfach kein Verständnis habe. Und dass mir wiederum das alles nicht egal ist. Die Diskriminierung und der Hass anderer ist mir nicht egal. Es schürt meinen Hass.

Warum sind Menschen so? Macht? Dummheit? Spießigkeit? Gesellschaftliche Norm? Das Fehlen von Empathie? Bösartigkeit?

Ich bin mittlerweile soweit, dass ich keine Nachrichten gucke.

Was ich dort sehe, macht mich meistens wütend und traurig und verstört mich. Ich möchte mich davor schützen, dass ich täglich weinend vor dem Fernseher/ Computer sitze.

Natürlich ist es wichtig, dass darüber berichtet wird. Und es ist auch wichtig, Videos zu posten, in denen zu sehen ist, wie ein Mensch einen Hund bei lebendigem Leib in kochendes Wasser drückt, bis er tot ist.

Aber ich möchte das nicht sehen. Ich weiß, dass so etwas passiert.

Deshalb muss ich auch Earthlings nicht gucken.

Ich kann die Welt nicht retten. Ich kann nur für mich und mein Umfeld gutes tun und so leben, dass ich ein gutes Gewissen habe.

Ich kann eingreifen, wenn unmittelbar vor meiner Nase etwas passiert.

Ich bin die erste, die einen fremden Menschen verteidigt. Die erste, die von der einen Kassenschlange zur nächsten geht und sich für einen Mann mit Kind stark macht, der von einem anderen alten Mann geschubst, diskriminiert und beleidigt wird.

Manchmal habe ich Angst, dass das nicht reicht. Ich MÖCHTE gern die Welt retten! Aber es macht mich traurig, wenn ich realisiere, dass das nicht geht.

Also mache ich einfach weiterhin Menschen darauf aufmerksam, dass ein Hundegeschirr vielleicht die bessere Wahl wäre und dass das Kind vielleicht lieber einen Helm aufsetzen sollte, wenn es bei der Mutter auf dem Lenker sitzt. Ich werde mich immer für Menschen stark machen, die diskriminiert, beleidigt, bedrängt oder sonstwie ungerecht behandelt werden.

Und ich hoffe, dass es mit der Zeit einfach mehr Menschen gibt, die genauso sind. Emphatisch, nett, aufgeschlossen, hilfsbereit und unegoistisch. Es gibt sie ja schon! Und manchmal, wenn ich hier in meiner eigenen kleinen heilen Blase sitze, ist alles schön. Ich umgebe mich natürlich mit Menschen, die genauso sind wie ich! Aber dann liest man wieder irgendwo die Schlagzeile, dass son Typ mit Macht es erlaubt, dass mit Teilen von Elefanten gehandelt werden darf, dass jemand aus Spaß einen Obdachlosen angezündet hat, dass Menschen es witzig finden, dass Flüchtlinge ertrunken sind oder dass das jährliche Walschlachten wieder begonnen hat.

Manchmal habe ich Weltschmerz. Heute ist manchmal.

 

 

Tanze als ob niemand zusieht.

 

 

Vor kurzem ist der Partner meiner Tante gestorben.

Die Freundin eines guten Freundes hat Krebs. Unheilbar.

Meine Tante hat letztes Jahr ihren Krebs besiegt.

Die beste Freundin meiner Schwester hat einen Hirntumor und wird bald daran sterben.

Ein Freund, mit dem ich zusammen studiert habe, ist während des Studiums gestorben. Unvorhersehbar sind seine Lungen versteinert. Einfach so.

Man fragt sich „Warum? Warum diese Menschen? Diese wunderbaren Menschen, die das Leben so sehr bereichern?“

Meine Tante schrieb mir heute Morgen, dass eine Freundin ihr sagte, dass der liebe Gott ihr sagen möchte, dass sie ihr Leben genießen und auskosten soll.

Das Leben ist so kurz. Und manchmal viel kürzer als man denkt.

Deshalb ist es so wichtig, dass man es so lebt, wie man es möchte! Das wichtigste ist, dass man glücklich ist! Dinge für sich tut und nicht für andere! Größtenteils egoistisch ist und darauf achtet, dass das eigene Leben so verläuft, wie man es möchte. Natürlich muss man Rücksicht auf andere nehmen und darf nicht über Leichen gehen. Egoismus schließt ja Empathie, Hilfsbereitschaft und Gutsein nicht aus. Es bedeutet nur, dass man gucken muss, dass man glücklich ist/ wird/ bleibt. Denn wenn man selbst nicht zusieht, dass man glücklich ist, dann macht das vielleicht niemand. Und am Ende hat man vielleicht zu viel Rücksicht auf die Gefühle und Bedürfnisse anderer genommen ohne sich selbst zu fragen, was man eigentlich möchte. Und wie mir heute erst wieder bewusst geworden ist, kann das Ende schneller vor der Tür stehen als man denkt.

Was möchte ich eigentlich sagen….

So abgedroschen dieser Spruch auch ist: Carpe Diem. Nutze den Tag. Lebe als ob es kein morgen gibt. Tanze als ob niemand zusieht. Singe als ob es niemand hört. Natürlich ist das nicht so leicht, wie es sich hier runterschreibt.

Gäbe es kein morgen, und ich wüsste davon, wäre ich jetzt nicht auf meiner Couch und schriebe hier davon, was man täte, wäre es anders. Ergibt das Sinn? Oder vielleicht doch. Vielleicht schriebe ich das hier. Nur noch emotionaler und bestimmender.

Wüsste ich vom nahenden Ende…ich hätte heute wahrscheinlich keinen Schirm mitgenommen und wäre barfuß durch den Regen gestapft.

Wüsste ich, dass ich morgen vielleicht keine neue Chance auf einen neuen Tag bekäme, würde ich heute alle meine Freunde und Familienmitglieder treffen.

Wüsste ich, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, würde ich meinen Vater anrufen und ihm sagen, dass ich ihn lieb habe.

Wüsste ich, dass das Leben kurz ist, müsste ich nochmal jemanden küssen gehen.

Das Ding ist: ich weiß, dass das Leben kurz ist. Aber trotzdem sitze ich hier und schreibe davon. Weil es nicht so einfach ist, das Leben zu Leben als wäre es bald vorbei. Ich versuche jeden Tag etwas tolles zu tun. Ob es ein Blogbeitrag ist, eine große Gassirunde, bei der ich mich über die Unbeschwertheit meines Hundes freuen kann oder ob es ein Treffen mit Freunden ist.

Jeden Tag das Leben bewusst genießen, sich aber von dem Gedanken, dass man das Leben genießen muss, nicht verrückt machen und unter Druck setzen zu lassen.

Die Hauptsache ist auf jeden Fall, dass man macht, was man möchte. Ohne sich von anderen oder dem gesellschaftlichen Druck beeinflussen zu lassen.

Wenn ich keine Führungskraft mit dickem Gehalt sein möchte/ kann, dann muss ich das auch nicht. Wenn ich mit Mitte 30 in einer Bar arbeiten und schreiben und Kunst machen möchte, dann sollte ich das machen. Weil mir das Freude bereitet. Und es kann sein, dass es Menschen gibt, die es für unangebracht halten, in meinem Alter so zu leben. Aber das ist dann ja in erster Linie deren Problem (danke Holger für diesen Spruch!). Zufriedenheit ist wichtiger als Sicherheit. Von finanzieller Sicherheit kann ich mir kein Glück kaufen.

Wow. Nun bin ich von toten und kranken Menschen zu Lebensfreude gekommen. Aber beides liegt sehr dicht beieinander.

Und abschließend noch ein abgedroschener, aber deshalb nicht weniger wahrer Satz:

Am Ende bereust du nicht die Dinge, die du getan hast, sondern die, die du nicht getan hast.