FETT

(dieser Text entstand vor ca 4 Monaten. Macht ihn nicht weniger aktuell)

Ich bin nicht fett. Aber ich habe in den letzten 4 Jahren 20kg zugenommen. Zwanzig Kilogramm! Das klingt echt viel. Dabei war es ganz leicht.

Früher habe ich mich immer gefragt, wie Leute es schaffen, so viel zuzunehmen. Irgendwann merkt man doch, dass man zugelegt hat und stoppt das. Wenn man nur will, schafft man es auch wieder abzunehmen. So einfach ist das.

Tja. So einfach ist es eben doch nicht.

Wie habe ich es geschafft, so viel zuzunehmen? Die ersten Kilos habe ich kaum bemerkt. Plötzlich hatte ich Fett am Rücken. So Röllchen. Das hab ich mal auf einem Foto gesehen. Ich in einem rückenfreien Top. Mit Speckrollen am Rücken. Aber ich hatte solche Röllchen mal auf einem Foto von Nicki Minage gesehen und fand das eigentlich ganz süß. Bei ihr zumindest. Bei mir fand ichs trotzdem scheiße.

Da ich mich zu der Zeit in einer sehr stressigen Phase befand, hatte ich weder die Lust, noch die Kraft oder die Zeit (jaja…Zeit hat man immer. Ein paar Minuten pro Tag und tadaa! Traumfigur!), etwas dagegen zu tun. Aus Stress wurde Burnout und bumm: die nächsten 10kg drauf. Irgendwann stieg ich auf die Waage und die sagte, ich wöge 87kg. Krass! Wie konnte das nur passieren? Ganz einfach: weite Kleidung, weil man sich ja eh nicht mehr in seinem Körper wohlfühlte, und nur im Badezimmer in den Spiegel gucken, um das Gesicht zu checken. In die großen Spiegel hab ich immer nur gesehen, wenn ich schon angezogen war. Beim Shoppen hab ich mich in so eine Pose gedreht, dass ich mich ganz ok fand. Und immer schön den Bauch einziehen.

Jetzt hab ich den Salat (davon hätte ich mal mehr essen sollen…).

Mittlerweile geht es mir seelisch wieder besser. Ich habe mein Leben soweit angepasst, dass ich wieder atmen kann. Nur fällt mir genau dieses Atmen leider immer schwerer. Weil ich immer schwerer wurde. Verteufelter Kreis! Und dann ist man deprimiert, weil man so fett geworden ist und futtert auf der Couch ne Pizza, einen Becher Eiscreme (ich verteufle dich Ben & Jerry´s für die neuen veganen Sorten! Und Lidl für die verdammte billige TK Pizza!) und ne Tafel Schokolade. Dazu nen Liter Cola. Aber light. Also zählt die nicht. Genau. Haha.

Gestern sollte also der erste Tag zurück zum gesunden Lebensstil sein. Ich habe mich in einem Fitness Studio angemeldet. Leider hasse ich Sport. Das war schon immer so. Schon in der Schule hatte ich immer einen Attest und saß auf dem Mattenwagen. Meistens war ich gar nicht so krank, dass ich nicht mitmachen konnte. Manchmal hatte ich aber auch ne Knie-OP, weil man mich gezwungen hatte, Ski zu fahren. Ich hasse Sport. Und Sport hasst mich auch.

Vor 5 Jahren ging ich regelmäßig ins Studio und war ultra fit. Man muss nur wieder da hinkommen. Dass man schon so viel Sport gemacht hat, dass man die Resultate nicht kaputt machen will.

Gestern war also der Tag der Tage. Ich meldete mich an und ging wieder heim. Auf die Couch. Heute geh ich auch nicht hin. Morgen vielleicht. Aber ich habe es mir festfest vorgenommen.

Es ist nicht nur, dass ich mich nicht mehr in meinem Körper wohl fühle. Ich merke auch wirklich, wie unfit ich bin. Leider und zum Glück zugleich wohne ich im vierten Stock. Ohne Fahrstuhl. Da muss ich ein paar Mal am Tag hoch und runter. Immerhin. Aber ich bin völlig fertig, wenn ich in der Wohnung ankomme.

Außerdem mag ich auch keine kurze Kleidung mehr tragen. Nicht (nur) weil ich das nicht schön finde, sondern auch, weil meine Schenkel so sehr aneinanderreiben, dass es nach kurzer Zeit weh tut. Letzten Sommer musste ich mir da sone Salbe zwischenschmieren, damit ich ein Kleid ohne Leggings/ Strumpfhose tragen konnte. Ich weiß, dass es auch solche Dinger gibt, die man anziehen kann, damit die Schenkel nicht mehr aneinanderreiben. Die sehen aus wie breite Strumpfbänder. Aber das ist schon etwas nervig alles.

Und ich schwitze viel mehr. Wahrscheinlich weil alles viel anstrengender ist, weil ich ja mehr Gewicht mit mir rumschleppen muss.

Oft frage ich mich, warum ich mich so unwohl fühle. Also äußerlich. Die Gesundheit mal außer Acht gelassen. Denn wenn ich mir Fotos von anderen Frauen angucke, die auch „ein bisschen mehr auf den Hüften“ haben, finde ich die wahnsinnig attraktiv! So weiblich! Und weich! Und schön! Nur bei mir selbst mag ich das nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob das einen gesellschaftlichen Aspekt hat und ich mich davon beeinflussen lasse oder ob ich mich einfach so nicht leiden mag.

Diese ganze Fatshaming-Sache und „wie eine Frau aussehen muss“, die ganzen Modemagazine, GNTM und all die Werbung und überhaupt der ganze Dünnwahn der Medien…ich hatte nie das Gefühl, dass mich das beeinflusst. Also schon. Ich habe mich aufgeregt. Aufgeregt über Menschen, die andere über ihr Aussehen definieren, sie hänseln, sie beurteilen… Ich habe mich aufgeregt über Frauen, die versucht haben, irgendwem oder irgendwas gerecht zu werden, anstatt einfach zu machen, was sie wollen. Und sich so zu geben, zu kleiden und zu sein wie sie es wollen.

Aber wurde ich wirklich nicht beeinflusst? Fühle ich mich unwohl mit meinen ganzen Extrakilos, weil es sein könnte, dass andere mich hässlich finden könnten?

Ich glaube, diese Frage kann ich mir nicht zu hundert Prozent beantworten. Es ist wohl ein Mix aus verschiedenen Gründen.

Auf jeden Fall versuche ich jeden Tag in den Spiegel zu sehen und mir zu sagen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wie ich aussehe. Ob nun dünn oder dick, mit oder ohne Pickel. Denn an anderen Menschen find ich das ja auch gut. Also warum nicht auch bei mir!?

Es ist wichtig, dass man sich in seinem Körper wohlfühlt! Sich aktzeptiert, wie man ist und die schönen und guten Seiten erkennt, liebt (lieben lernt) und hervorhebt!

Edit 4 Monate nach Schreiben dieses Textes:

Mittlerweile kann ich das ganz gut. Es ist Sommer und ich trage gerne meine neue Latzhose. Sie hat eine Konfektionsgröße, von der ich niemals dachte, dass ich sie brauchen könnte. Aber was sind schon Konfektionsgrößen? Nummern, die sich irgendwelche Leute ausgedacht haben. Sie sollen eigentlich dazu dienen, dass man sich daran orientieren kann. Aber das kann man nicht. Jeder Hersteller interpretiert die Größen irgendwie anders. Selbst innerhalb einer Marke variiert meine Konfektionsnummer zwischen 3(!) Größen! Es ist absurd. und viele lassen sich davon herunterziehen. Gefühlt ist die Kleidung in den letzten Jahren auch „kleiner“ geworden. Aber mal ehrlich: Was hat das für einen Sinn? Sollte es nicht eher andersrum sein? So fühlt sich doch jede zweite Frau (und Mann wahrscheinlich auch) schlechter als besser. Sollen Frauen dazu animiert werden, dünner zu werden, damit die Konfektionsgröße die gleiche bleibt?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass man sich nicht über seine Konfektionsgröße definieren sollte. Man sollte anziehen, was man schön findet und worin man sich wohl fühlt! Scheiß egal, was andere denken könnten! SO!

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