35

Heute ist mein Geburtstag. Ich werde 35 Jahre jung. JA JUNG!

Es ist gerade 7.30 Uhr am Morgen. Meine Lieblingszeit des Tages. Meistens bin ich um diese Zeit schon 1-2 Stunden wach und trinke nun meinen zweiten Kaffee. Alles ist noch ruhig, die Luft ist noch atmenbar und mein Hund liegt schnarchend neben mir auf der Couch. Die Welt ist also in Ordnung.

Das klingt genauso gut wie es sich anfühlt. So entspannt in den Tag starten. Ganz ohne Stress.

Nur ist es so, dass ich das nur kann, weil mich mein Körper und mein Unterbewusstsein gerade dazu zwingen.

Vor einer Woche wollte ich einen neuen Job anfangen, auf den ich mich auch wirklich gefreut habe. Bis zu dem Zeitpunkt als ich losgehen musste. Meine Atmung wurde schneller und mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Schwitzige Hände und ein beklemmendes Gefühl. Guten Tag Panikattacke. Es war mir nicht möglich loszugehen. Ich konnte einfach nicht. Warum genau das so war, muss ich noch herausfinden. Wahrscheinlich kann ich einfach gerade keine Verantwortung übernehmen und Erwartungen gerecht werden. Also die „Standardverantwortungen“ schon. Aber keine neuen. Ein Job, bei dem ich für andere arbeite, die ja dann automatisch Erwartungen an mich haben, stresst ich hart. Dabei wusste ich das eigentlich und wollte extra deshalb einen Job ohne Verantwortung. Aber selbst das war wohl zu viel. Ich weiß es nicht. Vielleicht war es auch, weil es wieder ein Gastro-Job war. Meine Bar, der Auslöser für meinen Burnout, hat mich vielleicht doch zu hart gefickt, sodass ich mich da erstmal raushalten sollte. Und so führte mich mein Weg nicht zu meinem neuen Job, sondern in das Wartezimmer meiner Ärztin. Ich bin froh, dass ich auf mich und meinen Körper gehört habe. Dass ich nicht dem gesellschaftlichen Druck nachgegeben habe. Der Druck, der sagt, dass man sich zusammenreißen muss. Dass man arbeiten gehen muss. Dass man keine Schwäche zeigen darf. Dieser verfickte gesellschaftliche Druck, der so vielen Menschen (mich eingeschlossen) so zu schaffen macht.

Und so bin ich nun eine fünfunddreißigjährige Frau, die den Tag ganz entspannt angehen lässt. Bis ich weiß, was ich machen will. Und kann. Ich habe schon viele Ideen, die alle mit Kreativität zu tun haben. Und ich werde das für mich machen. Ich selbst kann bestimmen, wann ich was mache. Und allein der Gedanke daran beruhigt mich schon. Klar wird es Deadlines geben. Aber niemand schreibt mir vor, wie ich diese Deadlines schaffen muss. Niemand sagt, dass ich von dann bis dann das und das machen soll. Das fühlt sich gut und richtig an. Und auch wenn es bedeutet, dass ich im Moment wenig Geld zur Verfügung habe, kann ich doch machen, was ich will und was mir gut tut.

Und das ist doch die Hauptsache! Dass man sich gut fühlt und das macht, was einen glücklich macht.

Der Weg dahin ist vielleicht steinig und lang, aber am Ende lohnt es sich. Erstmal muss man ja wissen, was man überhaupt will. Und ich glaube, dass man sich dafür auch erstmal fragen muss, was man nicht will. Wenn man erstmal nicht mehr macht, was man nicht will (oder was einem nicht gut tut), geht es einem schon viel besser! Und dadurch werden Ideen, Gedanken und Kräfte in Gang gesetzt und befreit, für die man vorher gar nicht den Kopf hatte.

Natürlich geht das nicht von heute auf morgen! Die wenigsten können einfach heute mal ihren Job hinschmeißen und gucken, was sie denn stattdessen machen wollen. Noch schwieriger ist es, wenn man nicht nur für sich selbst bestimmt, sondern auch an seine Familie denken muss. Aber auch dann kann man sich überlegen, ob das, was man gerade macht, gut ist. Es ist ja nicht unbedingt der Job, der nicht passt. Vielleicht ist es auch die Stadt, der Partner, der Freundeskreis….

Wichtig ist, dass man glücklich ist. Mit sich selbst.

Und wichtig ist auch, dass man nicht erwartet, dass man jeden Tag die ganze Zeit glücklich ist. Das ist glaube ich unmöglich. Allerdings schafft es doch (fast) jeder Tag, kurz einen Glücksmoment auszuspucken.

Ich wollte Anfang des Jahres ein Glücksglas beginnen. Jeden Tag aufschreiben, was an diesem Tag gut war und den Zettel ins Glas werfen. Hab ich nicht gemacht. Ich finde, heute ist ein guter Tag, um dieses Glas zu beginnen. Heute an meinem Geburtstag. Jeden Tag etwas aufschreiben, was mich glücklich gemacht hat. Und nächstes Jahr schenke ich mir zum Geburtstag dieses Glas mit 365 Glücksmomenten.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? (Dieser Blog ist ja ein bisschen wie Tagebuch schreiben. Deshalb komme ich oft vom Hundertsten ins Tausendste. Und manchmal sind die Gedanken nicht so geordnet. Aber hey! Guck ein Vogel!)

Sei glücklich. Punkt.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.